Es ist das Ende eines schönen und heißen Sommertages. Die letzten wärmenden Sonnenstrahlen verschwinden und der zarte Schimmer, der sich im laufe dieses Tages über die endlosen Wälder gelegt hatte und dem Wald einen mystische und zugleich melancholischen Hauch verlieh, zog sich über die höchsten Baumwipfel und reinsten Gewässer in die Berge zurück. Ich spürte wie sich die Kälte einer erbarmungslosen Nacht und die Dunkelheit der tiefsten Finsternis langsam über das Land hinwegzog und Besitz von allem ergriff mit dem es in Kontakt kam. Jegliches Getier geriet in ihren Bann. Weder Baum noch Gestein konnte sich entziehen. Und es hatte fasst den Anschein, als ob diese Finsternis geduldig den Tag abwartend, sich selbst vor Hunger verzehrend in irgend einer Spalte der Hölle darauf gewartet hätte um genügend Kräfte zusammeln um alles Licht zu verschlingen, auf seinem Weg in Richtung Paradies. Ich spüre wie sich die Kälte in meinem Herzen niederschlägt und sich die Finsternis mit ihren reißenden Zähnen in mein blutendes Herz bohrt. Plötzlich und völlig ohne Kontrolle beginne ich mich zu bewegen. Ich weiß nicht wohin mich meine Beine tragen wollen und ich weiß nicht wie es möglich sein kann, das ich immer noch am leben bin, obwohl mein Herz bereits zu schlagen aufgehört hat... vor Kälte...und Schmerzen...    Ich weiß jetzt in etwa was es bedeutet - zu sterben. Mein Weg führt mich in Richtung der Berge, der Ort an dem der Tag zu späterer Stund zu verweilen gedenkt. Die Kälte in mir hat bereits mein gesamtes Herz zu einem großen Eisblock werden lassen. Jegliches Gefühl der Freude und des Glücks, die meinem Herzen inne wohnten sind, entwichen, aus einem ehemaligem Paradies der Gefühle. Ich spüre wie die Finsternis mein totes Herz aus ihren Klauen befreit und sich allmählich durch meine Eingeweide bohrt, wie die erste große Liebe einst mein Herz. Mit genau so viel Leidenschaft und dem selben Gefühl der Angst hinterlassend gräbt sie sich weiter durch meinen Körper. Der Schmerz in meiner Brust ist nun auf dem Höhepunkt seiner Ekstase. Ich merke wie meine Glieder durch den Schmerz gelähmt werden. Jeder Schritt wird zur Qual. Jeder Atemzug, den ich mache lässt mich glauben es würde mir jeden Moment den Brustkorb zersprengen. Jede Faser meines Körpers fühlt sich an, als ob ich die lasst von tausend gebrochenen Herzen hinter mir her ziehen würde. Doch ich weiß, dass es nur ein Herz ist, welches mir in die Waagschale gelegt wurde. Ich nähere mich dem Gipfel. Und plötzlich verspüre ich etwas in mir... etwas, das selbst der härteste Winter nicht zu erfrieren in der Lage gewesen wäre. Es war ein letzter Funken in der tiefsten Schlucht meines Herzens. Der letzte Funken einer vergebenen Liebe, einer Liebe die vergleichbar mit einer Lotus-Blume gewesen wäre: nur einmal im Jahr blühend, für nur einen Tag, dabei aber einen so betörenden Duft verströmend, dass selbst der tiefsitzenste Schmerz und der größte Hass in diesem Augenblick der glücksseligsten Vollkommenheit verflogen wäre. Das Chaos in meiner Seele und das Eis auf meinem Herzen errichteten nun eine Wand aus Trauer und Verzweiflung, welche die Stimmen aus meinem Kopf aufzuhalten sie gedenkten, die mit aller Macht versuchten diesen Funken zu entzünden und eine nicht aufzuhaltende Feuerwand entstehen zu lassen. Ich war nur noch wenige Schritte vom Gipfel entfernt. Schritte der Qualen und der Angst. Angst davor, was auf der anderen Seite des Berges sich mir zu zeigen meinem Auge ergab. Angst davor; wieder am Anfang zu stehen. Viel mehr war es jedoch die Ungewissheit, die mir Angst bereitete. Die Stimmen in meinem Kopf wurden lauter, je näher ich dem Gipfel kam. Und die einst stabile Mauer aus Eis und Chaos um mein Herz begann zu bröckeln, trotzdem blieb sie standhaft und unbeirrt in ihrer Realität, die sie durch meine Gedanken und Gefühle erhielt. Doch ich spürte wie sich der Funken zu regen begann. Wie er es satt hatte eingesperrt in einem Gefängnis zu sein, das er selbst gebaut hatte. Die Finsternis versuchte nun sich meines Geistes zu bemächtigen, mich zur Aufgabe zu zwingen. Sie legte mir Ketten an Arme und Beine. Wie tonnenschwere Gewichte versuchten sie mich an Ort und Stelle zu halten. Doch der einst kleine Funken in seinem Gefängnis aus Eis und Hass war inzwischen zu einem Feuer geworden, das bereit war sich zu befreien und die Mauer, die es gefangen gehalten hatte, niederzureißen. Es war eben dieser Funken der auf ewig verschlossen bleiben sollte, welcher nun die Ketten der Finsternis zerbersten ließ und es mir ermöglichte meine Jagd nach Frieden fortzusetzen. Und als ich schließlich am Gipfel des Berges angelangte, durchströmte mich zugleich ein Gefühl wie ich es schon lange nicht mehr gefühlt hatte und von dem ich dachte das es niemals wieder in mein Herz vordringen würde. Die warmen Sonnenstrahlen der Abendsonne legten sich auf mein Gesicht und mischten dem blassen, kalten Zügen meines Antlitzes ein sanftes Rot bei und verliehen ihm das Aussehen eines Menschen. Das Gefühl von dem ich spreche und welches durch meinen Körper schoss und schließlich die Mauer meines Herzens zum Einsturz brachte war das Gefühl, welches sich zum Schluss mit der Flamme der Liebe vereinigte und selbst die entlegensten Winkel meines Körpers vom ewigen Eis befreite. Das Gefühl welches ich verloren und das nun wieder zu mir gefunden hatte, war das Gefühl am Leben zu sein. Ja, ich spürte seit langer, langer Zeit wieder das Leben in mir. ICH LEBE!!!.... ICH LEBE!!!       

6.2.07 00:40

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